For Promotional Use Only: Von DJ-Kassetten, Street- & Mixtapes (1979 – 2014).

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1979 kam der erste Walkman auf den Markt: Der SONY TPS-L2. Auf einmal konnte man Musik unterwegs hören und sich vom Alltag und der Umwelt abkapseln, immer und überall.

SONY TPS-L2 (1979).

Was sich nebenher entwickelte war eine Kultur von selbst gemischten Kassetten – das Medium der Jugend in den achtziger Jahren. Die Plattencover sprachen:

HOME TAPING IS KILLING MUSIC

Selektierte, thematisierte Tracks, die durch das Überspielen den eigenen Sampler mit selbst gestaltetem Cover kreierten. Diese Arbeit macht man sich nur für jemanden, den man wirklich mag oder für seinen eigenen Soundtrack des Lebens. Die Herausforderung ist, dass das Tape gehört werden kann ohne zu skippen, spulen oder <<PAUSE>> mit der zeitlichen Einschränkung auf 60 (2x 30) oder 90 (2x 45) Minuten – A & B.

„rollin‘ on chrome“

In der Subkultur des HipHop sind die Maßstäbe etwas höher gesteckt. Selektierte Tracks mit rotem Faden, die durch Angleichen der Tempovariationen in einander gemixt werden mit Scratches, Skits und Acapella / Instrumental-Modifikationen (Blends). Zu guter Letzt gibt es ein Exklusiv oder Freestyle eines Rappers am Ende des Tapes oder gar durch den gesamten Tonträger hindurch.

„Und was ich hass‘, sind Mixtapes nur auf CD!“

Von der Liebe zum Hobby bis hin zum offiziellen Promotool gab es alles im Hosentaschenformat für Umme oder ’n 5er Material & Aufwandsentschädigung. Hand in Hand, Freund zu Freund, Straßenecke zu Fan. Man stelle sich vor , ein Snippet bzw. „nur“ eine Albumvorschau, in Form eines Mixtapes von 10 – 15 Minuten, wurde auf einem eigenständigen Tonträger konzipiert, releaset und verschenkt.

Snippet Tapes – © vanRAW.

Für HipHop-Heads waren Mixtapes wichtiger als jedes andere Medium wie Fernsehen, Radio oder Zeitschriften – neuer Stuff direkt vom Herzen. Gerade in Lateinamerika oder explizit in New York, Harlem & Brooklyn ist der Stellenwert als Promo gerade für neue Rapper besonders hoch.

5th avenue record & tape center.

Dort gibt es die Musikware an jeder Straßenecke und wer es auf ein Mixtape geschafft hat, wird im ganzen Viertel, in der Stadt oder gar über Landesgrenzen hinaus gespielt und gehört – das Ohr auf der Straße. Neue Songs & Künstler werden so durch DJs und ein großes Netzwerk bekannt gemacht; das alles in einer tolerierten Grauzone.

brooklyn tapes.

Bis zum Anfang der 90ger Jahre wurden DJ-Mixtapes fast ausschließlich für private Zwecke verwendet, da den DJ’s die Möglichkeiten zur Vervielfältigung fehlten. Genau dort setzte das Mixtape-Label TapeKingz aus Brooklyn, NY an: Die Ausstattung mit technischen Geräten, das Netzwerk der besten DJ’s und eine Anzeige im „The Source„–HipHop–Magazin brachte die Mixtape-Welle national und international ins Rollen.

DeeJays wie Funkmaster Flex, DJ Premier, Tony Touch, PF Cuttin‘, Mister Cee, Evil Dee, Ron G, Kid Capri, Doo Wop, Whoo Kid, Green Lantern, DJ Envy, DJ Clue, DJ Vlad releasten in „Heavy Rotation“. 1997 expandierten TapeKingz nach Deutschland, wo es u.a. folgende Labels gab:

TapeKingz (EST. 1988 / Brooklyn, NY – seit 1997 Europavertrieb in Hannover, DE)

Master Tapes (EST. 1997 / Mutterstadt & Stuttgart & Mannheim)

Phlatline (EST. 1996 / Chemnitz)

Wu-Tal (EST. 1997 / Wuppertal)

0711 Tapes (EST. 1998 / Stuttgart)

Kabelsaloon (EST. 2001 / Kassel)

A.F.D.C. (EST. 1999 / Bonn)

Goldmine (EST. 1997 / Jena)

Groove Yard (EST. 2009 / Eisenach)

Fingerprint und die legendären

Eimsbush (EST. 1997 / Hamburg) & Beatz aus der Bude Tapes (EST. 1997 / Köln)

German Tape Labels.


Heute hat sich der Begriff „Mixtape“ stark ausdifferenziert. Mix-Tape, Streetape, Kassettentape wird alles unter dem gleichen Namen gehandelt. Dabei ist der Unterschied ganz klar…

Mixtape: Ein (DJ-) Mixtape gibt es als Kassetten oder CD-Form und ist in der klassischen Form das Produkt eines DJs mit gemixten Übergängen und tonalem Zusammenhang, Scratches, Skits, Intro & Outro. Ganz früher war es gleich zu setzen mit einer Compilation, bei der eine Person, ähnlich eines DJs, bestimmte Titel ausgewählt und für einen passenden Moment oder eine besondere Person auf Kassette überspielt hat.

Street (Promo)tape: 
Mit Pause behaftete Tracks oder gar nur Parts, die über schon releaste, meiste bekannte, Beats gerappt werden, ohne GEMA-Belabelung. Schnell, One-Take, oder aus einer Ansammlung übrig Gebliebenem – aus spontanen Sessions, Mitschnitten oder gar Radio-Sendungen. Gewürfelt, ohne großartigen Anspruch in der Produktion.

Album: Eigens produzierte Beats und Skits mit rotem Faden & Konzept in langwierigen Produktionsphasen. Das Musikalbum muss laut Musikindustrie mindestens fünf Stücke oder eine Spielzeit von mehr als 23 Minuten enthalten (ohne Remixe).

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